Warum Honor den Snapdragon aufgibt: Mein Jahr mit dem MagicBook Art 14

Es ist Ende 2025. Wenn man sich das aktuelle Line-up von Honor anschaut, fällt eines auf: Der Nachfolger meines Laptops läuft wieder mit Intel. Das Experiment „Snapdragon“ scheint bei Honor nach nur einer Generation beendet zu sein.

Warum? War die Hardware schlecht? Nein, ganz im Gegenteil. Ich nutze das Honor MagicBook Art 14 (Snapdragon Edition) seit einem Jahr und die Hardware ist ein Traum. Doch im Alltag zeigten sich Risse in der Fassade, die erklären, warum der Massenmarkt (und Honor) vielleicht noch nicht bereit für diesen Wechsel war. Hier ist mein Langzeit-Protokoll eines gescheiterten Experiments – und warum ich das Gerät trotzdem liebe.

Warum überhaupt dieses Gerät?

Ende 2024 stand ich vor der Wahl: MacBook Air? Surface Laptop 7?

Meine Wunschliste war kompliziert: Ich wollte ein großes, brillantes OLED-Display, aber in einem Gehäuse, das so kompakt und leicht ist, dass man es im Rucksack kaum spürt. Gleichzeitig wollte ich die Vorteile der ARM-Architektur – also echte Akkulaufzeit und Ruhe vor Lüfterlärm. Und ich brauchte viel RAM.

Das MagicBook Art 14 war der einzige Kandidat, der „leicht“ und „großes Display“ perfekt kombinierte. Also schlug ich zu.

Der Blick unter die Haube: UFS vs. M.2

Eine Sache, die mir vor dem Kauf niemand gesagt hat: Der interne 1 TB Speicher ist kein klassisches SSD-Modul, sondern fest verlöteter UFS-Speicher – genau wie in einem Smartphone. Das ist zwar schnell, aber eben nicht austauschbar.

Aber hier kommt der Geheimtipp: Unter der relativ einfach zu öffnenden Abdeckung fand ich einen freien M.2 Slot (normale, große Version). Honor hat hier Platz gelassen! Ich habe eine 4 TB SSD nachgerüstet. Für ein so dünnes Ultrabook ist diese Erweiterbarkeit absolut keine Selbstverständlichkeit.

freier m.2-Slot (unter linkem Lüfter)

Gehäuse & Verarbeitung: Hassliebe in Magnesium

Nach einem Jahr im Rucksack-Einsatz sieht das Notebook auf den ersten Blick aus wie neu. Aber der Schein trügt etwas, wenn man genau hinsieht (oder hinfühlt).

  • Das „Weiche“ Display: Um Gewicht zu sparen, scheint Honor kein klassisches Glas zu verwenden. Es fühlt sich eher an wie bei einem Foldable-Smartphone – etwas weich. Das Problem: Zwischen Tastatur und Display sammelt sich Staub, der feine Mikrokratzer hinterlässt.
    • Mein Rat: Besorgt euch sofort eine dicke Kunststoff-Schutzfolie (gibt es auf eBay). Das hilft auch gegen die magnetische Anziehung von Katzenhaaren und Staub.
  • Fingerabdrücke: Das Magnesium-Gehäuse saugt Fingerabdrücke förmlich auf. Einfaches Abwischen hilft kaum, ich musste tatsächlich mit Reinigungsknete ran. Jetzt sieht es wieder top aus.
  • Haptik: Es ist wahnsinnig leicht, fühlt sich dadurch aber weniger wertig und „dicht“ an als ein MacBook. Es ist nicht ganz verwindungssteif und mein Deckel schließt links nicht mehr zu 100% bündig (ein halber Millimeter Luft bleibt).

Positiv: Die Titan-Tastatur ist auch nach einem Jahr nicht abgenutzt und tippt sich knackig wie am ersten Tag.

Das Display: Smartphone-Niveau im Laptop

Das OLED-Panel ist mein absolutes Highlight. Die 120Hz, die Kontraste, die Farben – es ist der erste Computer, dessen Display mit meinem Smartphone mithalten kann. Das 3:2 Seitenverhältnis ist zum Arbeiten ein Traum. Ja, es spiegelt (Terrassen-Arbeiter aufgepasst), aber die Helligkeit gleicht das meistens aus.

Die Sache mit der Kamera und Windows Hello

Das MagicBook hat diese magnetische, abnehmbare Kamera.

  • Qualität: Eher Durchschnitt. Für Teams reicht es, für Twitch definitiv nicht.
  • Vorteil: Privatsphäre. Wenn ich sie nicht brauche, ist sie weg.
  • Nachteil: Kein Windows Hello per Gesicht.

Ich nutze stattdessen den Fingerabdrucksensor, was sich als Segen entpuppt hat: So kann ich blitzschnell zwischen meinem Arbeits- und Privat-Profil wechseln, einfach indem ich einen anderen Finger auflege.

Windows on ARM: Wo stehen wir Ende 2025?

Hier muss ich Wasser in den Wein gießen. Microsoft schien anfangs Vollgas zu geben, hat den Fokus inzwischen aber stark auf „AI Agents“ verlegt und lässt die ARM-Basisarbeit gefühlt etwas schleifen.

  1. Apps: Die meisten Programme laufen, nativ oder emuliert merke ich kaum einen Unterschied. Aber Problemfälle wie bestimmte Adobe-Apps laufen immer noch nicht oder schlecht. Da hat sich in 12 Monaten kaum etwas getan.
  2. Gaming: Es ist kein Gaming-PC, aber ein „Bonus“. GTA 5, Red Dead Redemption 2 und Fortnite laufen überraschend gut. Indie-Games wie Hades 2 sind auf dem OLED ein Augenschmaus. Retro-Emulation? Perfekt.
  3. Linux: Vergesst es. Bootloader dicht, Treiber fehlen. Wer Linux will, kauft kein Snapdragon-Gerät.

Performance im Alltag:

Windows bootet schnell, Apps starten sofort. Aber sind wir ehrlich: Die „Geschmeidigkeit“ von macOS oder iPadOS erreicht Windows 11 immer noch nicht, auch nicht mit 120Hz und Snapdragon. Daran ändert auch die neue CPU nichts.

Akku & Standby: Gut, aber nicht Apple-Gut

Der Akku bringt mich sicher durch den Arbeitstag. Er ist deutlich besser als bei Intel-Laptops, kommt aber nicht an M3/M5 MacBooks heran. Das liegt am stromhungrigen OLED und sicher auch an meiner nachgerüsteten 4 TB SSD.

Was nervt: Modern Standby.

Das Gerät fällt oft zu aggressiv in den Hibernate-Modus (Tiefschlaf), was das Aufwecken verzögert. Beim Mac klappt man auf und ist da. Hier gibt es Gedenksekunden.

Pro-Tipp: Mit Tools oder Terminal-Befehlen kann man das optimieren (ich nutze dafür das KI-Terminal „Warp“). Wenn es richtig eingestellt ist, fühlt es sich fast wie ein iPad an.

Warnung: Der Honor-Support

Hier wird es finster.

  • Die deutsche Support-Seite ist eine Katastrophe. Dort werden teilweise Intel-Treiber und BIOS-Updates für das Snapdragon-Modell angeboten. Die Installation schlägt zum Glück fehl, aber das ist grob fahrlässig.
  • Wer aktuelle Treiber braucht, muss die chinesische Honor-Seite besuchen und sich mit Google Translate durchschlagen.
  • Business-Support? Existiert quasi nicht. Updates kommen viel seltener als beim Surface.
X86-Version statt ARM64: die richtige Version lautet PCManager-ARM64 18.0.1.60(C233HONOR) (Screenshot vom 30.12.2025)

Die Analyse: Warum Honor wohl zurück zu Intel ging

Nach 12 Monaten Nutzung wundert es mich nicht, dass der Nachfolger wieder einen Intel-Chip hat. Meine Erfahrung zeigt: Die Hardware ist bereit, aber das Ökosystem von Honor war es nicht.

  1. Das Treiber-Debakel: Dass auf der deutschen Support-Seite Intel-Treiber für ein ARM-Gerät angeboten werden, ist peinlich. Dass ich chinesische Webseiten übersetzen muss, um mein BIOS zu aktualisieren, ist für „Normalos“ unzumutbar.
  2. Die Support-Lücke: Ein Premium-Gerät braucht Premium-Service. Honor hat die Hardware gebaut, aber die Software-Pflege (Updates, Firmware) fühlte sich stiefmütterlich an – ganz anders als bei Microsofts Surface-Reihe.
  3. Die „Es geht einfach“-Erwartung: Wer 1.400 € (UVP) zahlt, will nicht basteln. Wenn der Drucker streikt oder das alte Spiel nicht startet, geht das Gerät zurück. Intel ist für den Hersteller die „sichere Bank“.

Honor hat mit dem Snapdragon-Modell ein Stück Hardware-Poesie abgeliefert, aber vergessen, die Anleitung dazu zu schreiben. Für Tech-Enthusiasten wie mich ist das okay – für den Massenmarkt war es zu riskant.

Fazit: Kaufen oder nicht?

Würde ich es wieder tun? Ja.

Wenn ihr das Gerät im Angebot (um die 1.000 €) seht, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar. Ihr bekommt mehr RAM, mehr Speicher und ein besseres Display als bei jedem MacBook in dieser Preisklasse.

Es ist perfekt für: Studenten, Blogger und Nutzer, die wissen, was sie tun.

Finger weg, wenn: Ihr auf Adobe-Spezialsoftware angewiesen seid, Linux wollt oder Firmen-Support erwartet.

Eine wichtige Lektion nach einem Jahr: Geht keine Wetten auf die Zukunft ein. Kauft „Windows on ARM“ für das, was es heute kann. Wer darauf hofft, dass Microsoft oder Adobe nächstes Jahr plötzlich Wunder vollbringen, wird enttäuscht. Aber wer mit dem aktuellen Stand zufrieden ist, bekommt mit dem MagicBook Art 14 ein echtes Hardware-Juwel – vielleicht das letzte seiner Art.

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